Freedom not fear
- DRAFT -
Dieser Eintrag ist noch nicht fertig, da der Text noch nicht nachkontrolliert wurde und noch Bilder hinzugefuegt werden sollen.
Der Freedom Not Fear Worldwide Action Day letzten Samstag sollte die Menschen dazu bringen, fuer ihr Recht auf informationelle und persoenliche Freiheit zu kaempfen, indem sie auf die Straße gehen und demonstrieren.
Das habe ich ernst genommen. Ich habe zusammen mit einem Freund Werbung auf meinem Campus verteilt, viele Menschen persoenlich zur Demo eingeladen und bin auf der Demonstration gemeinnuetzig als Beobachter unterwegs gewesen.
Anti-Rotwein-Salzflecken
In einer sehr traegen, dennoch aber guten Stimmung stand ich gegen sieben Uhr morgens auf, wich ich den Anti-Rotwein-Salzflecken auf meinem Teppich aus, die direkt vor meinem Bett waren, stolperte nicht ueber die Weinflasche, die meine Nachbarin auf meiner Tuerschwelle stehen ließ und schaltete erstmal den Wasserkocher an. Dank des Wachmachers in meiner Tasse fielen mir die folgenden sechzig Minuten sehr viel leichter.
Untypischerweise puenktlich und vollzaehlig in Leipzig angekommen gab es einen weiteren leichten Koffeinschub in Form eines Chai-Tees. Danach trafen wir vier die Leipziger und fuhren in fuenferGruppen mit Wochenendtickets nach Berlin um der Bahn moeglichst viel unseres Geldes vorenthalten zu koennen. Alles hat super geklappt. Wir sind in Chaoskoordination losgefahren und genau so angekommen.
In Berlin traf ich (planmaessig) nach ueber sechs Jahren einen alten Bekannten wieder. Kurz geschwatzt und mit FastFood gestaerkt ging es nun endlich zum Neptunenbrunnen hinter dem Fernsehturm.
Es begruessten uns einige Menschen, die (so wie wir) erstmal nicht wussten wohin sie gehen sollten und natuerlich die Polizei, die sich vorallem fuer den Inhalt unserer Taschen interessierte. „Na, och nich aus Berlin, wa?“, meinte der Polizist in verstelltem berliner Dialekt, waerend er mich filzte. Gute Laune bei der Polizei – ein gutes Zeichen.
Da der wirtschaftliche Aspekt einer groß angekuendigten Demonstration nicht zu verachten ist, fand man natuerlich auch einige Leute die Essen und Getraenke pfeilboten. Eine kleine Currywurst fuer große zwei Euro. Naja, geschmeckt hat sie.
Unter all den Menschen suchten wir dann ersteinmal die Demo-Leitung – oder auch das KoZe, wie wir spaeter erfuhren. Nach einigem Hin und Her fanden wir dann heraus, wo sie sich befand und bekamen dort auch schon unsere Funkgeraete und die passende Einweisung.
Funkgeraete? Ja genau. Fuer meine Rolle als Beobachter verpasste man mir ein Funkgeraet mit Ohrstecker. Haette ich einen Anzug getragen, waere ich als Security durchgegangen.
Wagen *tzz* an *tzz* ..lten fragen ob *tzz* so weiter *tzz* kann
Und nun endlich Demo! Mit einem staendigen Singsang im Ohr begann das ganze ziemlich schleppend. Drei Leute wurden noch beim Filzen von der Polizei in Gewahrsam genommen. Sie hatten laut Angaben eines anderen Beobachters zu schwere Handschuhe und Drumsticks oder aehnliches dabei. Außerdem brauchten die Wagen ein wenig Zeit, bis sie endlich verstanden, wie die Funkgeraete zu handhaben sind – Wagen *tzz* an *tzz* ..lten fragen ob *tzz* so weiter *tzz* kann – um dann auch auf die Anweisungen des KoZe reagieren zu koennen.
Mit einer guten (und erwarteten) Stunde Verspaetung zog der Marsch dann los. In der Zwischenzeit entdeckten wir eine Hundestaffel der Polizei, gab es eine Rangelei in der jemand festgenommen wurde – leider erfuhr ich keine weiteren Details – und fuhr ein Krankenwagen mitten durch den Sammelpunkt der Demowagen.
Nichtmal zehn Minuten nach Beginn des Zuges musste ich mich dann schon von meinen Freunden trennen. Ueber Funk wurde den Beobachtern mitgeteilt, dass sich der „Schwarze Block“ recht weit vorn hinter dem dritten Wagen befand und dabei ist, sich nach vorn zu kaempfen. Kaempfen ist hier allerdings nur bildlich gemeint. Aber auch wenn alles friedlich ablief, verteilten sich die sieben Beobachter ueber die den ganzen Zug. Also zog auch ich nach vorn, stellte dann aber nach einiger Zeit fest, dass die Spitze des Zuges dermaßen weit entfernt war, dass ich es garnicht bis nach vorn schaffen wuerde.
Auf meinem Weg entdeckte ich nichts als friedliche Demonstranten, Party, kreative DemoWagen und – natuerlich – Polizisten. Zwei Mal dachte ich einen potenziellen Polizisten in Zivil entdeckt zu haben. Dem ersten konnte ich es nicht beweisen, aber er sah so auffaellig aus. Es wirkte als haette er eine Schutzweste unter seiner Jacke. Der zweite stellte sich schnell als Fehldeutung heraus. Ich dachte, er haette sich mit Polizisten am Rand abgesprochen, bevor er sich dann unter den Zug mischte. Vermutlich war er jedoch einfach nur geschwaetzig. Die waren Zivilpolizisten wird man vermutlich nicht entdecken, bevor sie ihren verachtenswerten Job erledigt haben.
Etwa einen Kilometer weiter entdeckte ich an der Deutschen Nationalbibliothek ein schweres, behelmtes Aufgebot der Polizei. Kurz nachdem ich es meldete, bestaetigte auch ein anderer Beobachter. Zugriffe gab es allerdings da noch nicht. Erst kurze Zeit spaeter stoppte ein Teil der Demonstration, was den Zug spaltete. Das ganze passierte, weil sich einige eindeutig Rechtsgesinnte durch die Demo bewegten und von einigen (eindeutig linksorientierten) Demonstranten unliebsam beschimpft wurden. Genaueres kann ich leider nicht dazu sagen. Ich weiß nur, dass die Polizei die Rechtsradikalen komplett umstellte und so verhinderte, dass alles aufeinander losging. Der Zug schloss sich nach etwa zehn Minuten wieder und es ging normal weiter.
„Keine Angst, ich bin einer von den Guten.“
Weiter auf dem Weg nach vorn entdeckte jemand mein Ohrstecker und schaute mich mit fragender Miene an. Ich sagte ihm nur: „Keine Angst, ich bin einer von den Guten. Ich bin der, der dokumentiert, wenn die Polizei Mist baut.“ Mit einem Lachen verabschiedeten wir uns wieder voneinander. Ich hatte nun das vordere Drittel des Zuges erreicht und wir waren bereits ueber zwei drittel der Strecke gelaufen.
Von nun an war alles ruhig, auch wenn ich einige boese Blicke von Leuten erntete, die mein Headset entdeckten – so boese, dass ich gar nicht erst versuchte, etwas zu erklaeren. Die Demonstranten zogen weiter Richtung Brandenburger Tor. Einige kletterten auf sogar den Panzer des kurz davor liegenden Krieger-Denkmals und wurden dafuer auch mit viel Blitzlicht und Jubel belohnt.
Endlich am Brandenburger Tor angekommen erwartete mich ein tolles Bild. Eine riesige Menge tummelte sich vor einem Buehnenwagen und obwohl schon soviele dort versammelt standen, schien der Zuwachs kein Ende zu nehmen. Einer der Beobachter hatte vorher auf nichteinmal halber Zuglaenge ca zwanzigtausendvierhundert Leute gezaehlt bzw geschaetzt. Es war von insgesamt ueber fuenfzigtausend die Rede. Ein großer Erfolg fuer die Veranstalter und vorallem die Idee, die hinter der Demonstration stand.
Meine Beine freuten sich auch sehr ueber die kurze Pause. Dank der eigentlich voellig nutzlos aufgeblaehten Funktionalitaet meines Mobiltelefons wusste ich, dass ich bis dahin mindestens achtehntausend Schritte gegangen war. Nun saß ich erstmal auf dem Boden links von der Buehne.
„Nee, der hat nichts gemacht. Die haben ihn einfach geschnappt.“
Leider blieb die Ruhe nicht von Dauer. Waerend den Ansprachen einiger bekannter und vielleicht weniger bekannten Persoenlichkeiten fiel mir eine erhoete Aktivitaet einiger Polizeikraefte auf. Kurz nachdem ich brav alles meldete folgte ich ihnen auch schon zusammen mit anderen Beobachtern. Zuerst dachten wir an eine – eigentlich unsinnige – Sitzblockade. Die Beamten stoerten sich an den Sitzenden aber ueberhaupt nicht und liefen nun recht schnell in Richtung des Bundestages. Etwas abgelegen von den versammelten ergriffen sie dort einen Demonstranten und fuehrten ihn ab. Einige folgten den Beamten und erfuhren dadurch seinen Namen. Ich befragte die Passanten dazu:
Nee, der hat nichts gemacht. Die haben ihn einfach geschnappt. Dazu brauch es ja nicht mehr viel, heutzutage! Wenn die das so wollen, nehmen sie ihn einfach mit.
So die Aussage eines aelteren Herren, der sich direkt am Ort des Geschehens befand. Ich wurde damit zum ersten Mal direkter Zeuge der polizeilichen Willkuer. Das Legal-Team recherchiert weiter in der Sache.
Kurz darauf geschah es wieder. Die Beobachter wurden auf die andere Seite der Buehne gerufen. Dort fand ein erneuter Zugriff der Polizei statt. Wiedereinmal konnte ich nicht genau sehen, was passierte. Anscheinend wurde erneut ein Demonstrant festgenommen. Ich hoerte durch den Lautsprecher eines Demowagens, wie jemand laut zur Polizei rief, dass diese Willkuer eine Unverschaemtheit sei und das alles dokumentiert werde. Einige anwesende Demonstranten beschwerten sich lautstark darueber, dass die Polizisten keine Identifikationsmerkmale haetten und sie hatten Recht. Alles was man sehen (und fotografieren) konnte, waren die jeweilige Hundertschaft und eine Symbolik bestehend aus Punkten und kurzen Strichen, die wohl einen Rang darstellt. Weitere Informationen zu diesem und den anderen Vorfaellen wird der Arbeitskreis sicher bald veroeffentlichen.
Nach diesem Vorfall geschah ersteinmal nichts spannendes mehr. Außer vielleicht, dass ich gefragt wurde, ob ich erotische Fotos von mir im Wald machen lassen wuerde, was ich selbstverstaendlich ablehnte. Gut das ich mein Funkgeraet als effektive Ausrede verwenden konnte.
Am Ende der Demonstration versammelten sich einige hundert Menschen um einen Wagen vor dem Krieger-Denkmal. Laute Musik, tanzende Leute und natuerlich kein Verantwortlicher. Bis dahin hatte die Polizei noch keine Anstalten gemacht, die kleine Versammlung aufzuloesen und kurz darauf fand sich dann auch jemand der den Wagen und damit die Partymeute in Richtung des Brandenburger Tores brachte.
der Verkehr sollte wieder ins Rollen gebracht werden
Erneuter Zugriff der Polizei… oder doch nicht? Zuerst sah es ganz danach aus. Die Polizei stoppte den Wagen, die Musik wurde leise. In einem Halbkreis zogen die Polizisten an. Scheinbar wurde diskutiert. Nach einigen Minuten wurde die Musik langsam wieder lauter. Alle blieben friedlich. Die Polizei hatte allerdings Schwierigkeiten, die Menschen von der Straße zu bewegen. Einige Minuten spaeter erfuhren wir was los war. Die Musik war zu laut, die Party (bzw Demo) vorbei und der Verkehr sollte wieder ins Rollen gebracht werden. Das ganze verlief gewaltlos. Das Missverstaendnis entstand dadurch, dass die Polzei zuerst kam um die Demonstranten von der Straße zu bewegen und erst spaeter per Lautsprecherwagen erklaerten, warum.
Die Polizisten waren bestimmt, aber hoeflich. Ein Anwesender stand allerdings kurz vor einer Festnahme, weil er lautstark und bis aufs Messer mit einem Polizisten stritt. Einer seiner Bekannten konnte ihn gluecklicherweise noch wegziehen, als der Beamte schon dazu ausholte, ihn in den Polizeigriff zu nehmen.
Dann war endlich Feierabend. Die Demo war vorbei, es wurde dunkel, meine Beine wollten am liebsten aufhoeren, mussten mich aber zuerst zurueck zum Alexanderplatz bringen. So ging nun der Tag gegen neunzehn Uhr zuEnde. Kurz chinesisch gegessen und schon ab den Zug zurueck nach Hause. Seltsam… nun vermisste ich das anfangs noch so nervige Funkgeraet.

Ein zusaetzlich empfehlenswerter Artikel zum Thema:
http://www.gulli.com/news/freiheit-statt-angst-2008-10-12/
Dort das ganze aus anderer Sicht mit anderen Details. Ich finde ihn sehr lesenswert!